Um 1980 herum hat Wolfgang Kelm, ein Gründungsmitglied von Hausgemeinschaft und Laurentiuskonvent und evangelischer Gemeindepfarrer in Wethen, mehreren männlichen Minderjährigen sexualisierte Gewalt angetan. Er hat seine Machtposition in Gemeinschaft und Konvent, seinen Status als Pfarrer und sein Geschick im Umgang mit Menschen genutzt, Nähe zu erzeugen und sie sexuell auszubeuten. Ein vermeintlich liberales und tolerantes Milieu erleichterte ihm sein Tun. Die Jugendlichen wurden letztlich nicht geschützt. Niemand fragte damals nach der Verletzung und den seelischen Folgen für die Betroffenen.
2010 haben Betroffene nach Anfragen durch den Laurentiuskonvent diese Taten gegenüber dem Konvent gemeldet, die Anerkennung ihres Leidens und eine wirksame Bearbeitung gefordert. Wolfgang Kelm stritt die Taten und jede Schuld ab.
Der Konvent hat sich in dieser schwierigen und polarisierenden Lage an die zuständige Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck als ehemalige Dienstherrin von Wolfgang Kelm gewandt und um Unterstützung gebeten. In einem längeren Prozess mit Fachleuten und kirchenleitenden Personen wurden die Vorwürfe als in hohem Maße glaubwürdig befunden und die Schuld festgestellt. Die Landeskirche hat sich daraufhin an die Staatsanwaltschaft Kassel gewandt, die aber die Eröffnung eines Verfahrens wegen Verjährung abgelehnt hat.
Der Laurentiuskonvent hat auf seiner Mitgliederversammlung im Februar 2011 das begangene Unrecht und das Leiden der Betroffenen anerkannt, um Entschuldigung gebeten und 2012 eine Zahlung geleistet. Die Mitglieder beschlossen auch, dafür zu sorgen, „dass Wolfgang Kelm den Konvent nicht nach außen repräsentiert“.
Der Laurentiuskonvent hat Wolfgang Kelm nicht, wie von den Betroffenen gefordert, aus Konvent und Hausgemeinschaft ausgeschlossen. Damit hat er den Beschuldigten geschützt, während die Betroffenen in Wethen keinen sicheren Platz mehr hatten.
Der Laurentiuskonvent hat den Vorgang 2011 nicht öffentlich gemacht. Dies begünstigte auch unhaltbare Gerüchte in Wethen über die Beteiligung anderer Gruppenmitglieder an sexuellen Übergriffen. Die Betroffenen haben das Handeln des Laurentiuskonvents deutlich kritisiert; vor allem, dass die Öffentlichkeit nicht informiert und Wolfgang Kelm nicht ausgeschlossen wurde. Zugleich haben sie ihre Anerkennung für das Bemühen des Konvents ausgedrückt. Gespräche zwischen Vertreterinnen und Vertretern des Konvents und den Betroffenen verliefen in einer respektvollen Atmosphäre. Im Anschluß daran signalisierten die Betroffenen, dass sie zur Ruhe kommen wollen. Sie blieben bei ihrer Kritik am unbefriedigenden Umgang des Konventes mit der Person Wolfgang Kelm.
Wolfgang Kelm hat nach 2011 in der Gemeinschaft und im Konvent keine Rolle mehr gespielt. Auch die mit ihm solidarischen Konventsmitglieder rückten an den Rand. Von außen und für die Betroffenen war das aber nicht wahrnehmbar.
2012 wurde der Ortsbeirat von Wethen in Gegenwart des Bürgermeisters von Diemelstadt sowie der Kirchenvorstand über die Vorfälle informiert.
Laurentiuskonvent und Ökumenische Gemeinschaft Wethen haben sich 2011/2012 intern intensiv mit Machtmissbrauch, sexualisierter Gewalt und den eigenen blinden Flecken auseinandergesetzt. In der Folge hat der Konvent ein Präventionskonzept formuliert. Sensibilisierung und Zusammenhalt der Gruppe standen im Zentrum. Die Aufmerksamkeit richtete sich nach innen. Die Betroffenen mit ihren Anliegen und ihrem Schmerz gerieten aus dem Blick.
2022 starb Wolfgang Kelm. Die Traueranzeige von Familie, Hausgemeinschaft und Laurentiuskonvent war für die Betroffenen eine unangemessene Wertschätzung der Person und blendete die Vergehen von Wolfgang Kelm gänzlich aus. In Briefen haben sie ihre weiter bestehende tiefe Verletzung zum Ausdruck gebracht. Laurentiuskonvent und Hausgemeinschaft haben diesen Schmerz nicht wahrgenommen. Die Betroffenen haben von Laurentiuskonvent und Hausgemeinschaft keine Antwort bekommen.
Als die Ökumenische Gemeinschaft im August 2025 das 50jährige Jubiläum ihrer Ansiedlung in Wethen in einem Gottesdienst mit Frau Dr. Hofmann, der Bischöfin der Ev. Kirche von Kurhessen-Waldeck feiern wollte, protestierten die Betroffenen. Für sie war das bisherige Bemühen um Anerkennung ihres Leides und um die Aufarbeitung des Geschehenen unzureichend. Die Bischöfin hat daraufhin ihre Teilnahme an dem Jubiläum abgesagt.
Die Landeskirche hat inzwischen Gespräche mit den Betroffenen geführt und Anerkennungszahlungen geleistet. Sie unterstützt den Laurentiuskonvent und die Ökumenische Gemeinschaft in der weiteren Aufarbeitung sowie in der Erarbeitung eines umfassenderen Schutzkonzeptes.
Zugleich werden mögliche weitere Betroffene gebeten, Kontakt mit der Beauftragten für sexualisierte Gewalt der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Pfarrerin Sabine Kresse, aufzunehmen: praevention@ekkw.de oder 0561-9378-404
oder das Hilfeportal der Unabhängigen Bundesbeauftragten gegen sexuellen Missbrauch zu nutzen: https://www.hilfe-portal-missbrauch.de Telefon: 0800-22 55 530